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Die Bilanzierung von Wertpapieren, eine kurze Einführung

Ein Fachartikel von Piero Zedda | Bankkaufmann, zertifizierter Buchhalter, Compliance Officer, zertifizierter Geldwäschebeauftragter, Sachverständiger für Finanzwesen & Kapitalanlage

Bevor wir zu einer Einschätzung kommen wie Wertpapiere zu bilanzieren sind müssen wir uns zunächst die Frage stellen unter welchen Voraussetzungen Wertpapiere überhaupt zu bilanzieren sind und ob eine Bilanzierung von Wertpapieren in bestimmten Fällen Sinn macht.

Alleine schon die Baentwortung dieser Frage wirft eine Reihe von Aspekten auf die es zu beachten gibt, zumals sich Kursschwankungen ertragssteuerlich auswirken können. Hier ist bereits Stoff für Diskussionen mit dem Finanzamt gegeben.

Zuerst sollte dabei geschaut werden, ob die zu bilanzierenden Wertpapiere notwendiges oder gewillkürtes Betriebsvermögen sind.

Beispiel Fall: Ein bilanzierungspflichtiger Arzt hatte seine erworbenen Wertpapiere bilanziert und wollte die Kursverluste ertragsmindernd geltend machen. Als Begründung für den Erwerb und die Bilanzierung der Wertpapiere gab er an, von den Dividendenzahlungen Schulden tilgen zu wollen. Da aber nachweislich über mehrere Jahre die ausgeschüttete Dividende nicht zur Schuldentilgung genutzt wurde, entschied das Finanzgericht Baden-Württemberg mit Urteil vom 11.10.2007, dass die Wertpapiere für eine Arztpraxis weder notwendiges noch gewillkürtes Betriebsvermögen darstellen (Az. 5 K 231/04). Bei tatsächlicher Schuldentilgung aus Dividendenzahlungen wäre das Urteil wahrscheinlich anders ausgefallen.

Fazit: Sollen Zinsen und Dividenden aus Wertpapieren zur Schuldentilgung genutzt werden, dann können Wertpapiere sehr wohl als gewillkürtes Betriebsvermögen bilanziert werden.

Ein weiteres Argument für die Bilanzierung von Wertpapiere wäre natürlich die Erhöhung der Kreditwürdigkeit oder aber auch die Altersabsicherung.

Probleme dabei ergeben sich aus den Kursschwankungen vo Aktien und den sehr niedrigen bzw. teilweise auch Negativzinsen bei festverzinslichen Wertpapieren.

Die Entscheidung über den betrieblichen Einsatz von Wertapieren muss bereits beim Kauf gefällt werden.

Auf jeden Fall ist die Absicht der Schuldentilgung, Erhöhung der Kreditwürdigkeit oder Altersabsicherung ein wichtiger grund Wertpapiere als gewillkürtes Betriebsvermögen in die Bilanz aufzunehmen.

Würde z. Bsp. ein Mineralölhändler Kauf- oder Verkaufsoptionen auf Rohöl erwerben um sich gegen fallende bzw. steigende Preise abzusichern, dann wären die Wertpapiere natürlich notwendiges Betriebsvermögen.

Ebenso können Hedge Geschäfte bei einem Forstwirt, der sein Holz überwiegend exportiert, als notwendig angesehen werden.

Unternehmen, die überwiegend Import oder Export orientiert sind könnten beispielsweise auch Währungsanleihen oder Staatsanleihen des Landes mit dem sie geschäftlich in Verbindung stehen bilanzieren.

Ein Kfz-Händler, der Aktien der Marke hält die er verteibt, darf diese Wertpapere mit Sicherheit auch als gewillkürtes Betriebsvermögen bilanzieren. Ebenso verhielte es sich bei Aktien, Gesellschaftsanteilen oder atypisch stillen Beteiligungen aus dem Bereich der Zuliefer- und Ersatzteilbranche.

Auch könnte ein bilanzierungspflichtiger Apotheker Genossenschaftsanteil z. Bsp. der Firma Noweda bilanzieren.

Eine Bank die Wertpapiere für den Eigenhandel hält sowieso, ebenso eine Aktiengesellschaft, die eigene Papiere hält die eigene Papiere hält, unabhängig davon ob sie börsennotiert ist oder eine sog. Familiengesellschaft.

Entscheidend ob man Wertpapiere bilanziert oder nicht ist also der betriebliche Grund des Erwerbs und der Bilanzierung.

Grundsätzlich werden Wertpapiere entweder im Anlagevermögen oder im Umlaufvermögen der Bilanz ausgewiesen.

Bilanzierung von Wertpapieren im Anlagevermögen:

Nach dem HGB werden Wertpapiere im Anlagevermögen bilanziert, wenn sie dazu bestimmt sind dem Geschäftsbetrieb dauernd zu dienen.

In dem oben genannten Beispiel des Artzes wäre dies anzunehmen gewesen. Ebenso bei dem Kfz-Händler, der sich an seinem "Lieferanten" beteiligt.

Bei festverzinslichen Wertpapieren, die bis zum Laufzeitende gehalten werden, sieht es allerdings nicht ganz so einfach aus. Liegt die Endfälligkeit weit in der Zukunft kann sicherlich von Anlagevermögen ausgegangen werden.

Zins- und Dividendenzahlöungen wirken sich selbstverständlich gewinerhöhend aus und können zu einer Erhöhung der Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer führen. aus.

Wer Wertpapiere (unabhängig ob spekulativ oder konservativ) langfristig hält, um beispielsweise seine Bonität bei der Bank zu erhöhen, bilanziert diese ebenfalls im Anlagevermögen.

Bilanzierung von Wertpapieren im Umlaufvermögen:

Bei nur noch kurzer Laufzeit bzw. generell kurzer Laufzeit sollte eine Bilanzierung im Umlaufvermögen in Betracht gezogen werden. Z. Bsp. Tagesanleihen der Finanzagentur GmbH der BRD. So könnte man beispielsweise täglich oder einmal monatlich bei der Finanzagentur Tagesanleihen erwerben und zwar in Höhe der täglichen rechnerischen Zahllast der an das Finanzamt für den Eigenverbrauch anzurechnenden Umsatzsteuer sowie der rechnerischen Einkommensteuer. Mit Einreichen der Steuererklärung im Folgejahr löst man die Position dann auf und kommt nicht in Liquiditätsschwierigkeiten, weil man durch eine risikolose Kapitalanlage mit hoher Liquidität vorgesorgt hat. Sich daraus ergebende Zinsen wirken sich natürlich gewinnerhöhend aus, was zu einer geringen Erhöhung der Einkommensteuer bzw. Gewerbesteuer führen kann.

Auch die Hedge Geschäfte eines Mineralölhändlers sollten im Umlaufvermögen bilanziert werden. Ebenso wie Währungsanleihen, da diese nur von begrenzter Laufzeit sind.

Anders sieht es bei Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen aus. Hier entscheidet wiederum die Laufzeit.

Die Entscheidung ob Wertpapiere ins Anlagevermögen oder Umlaufvermögen bilanziert werden machen wir mal an einem Beispiel fest:

Ein Kfz-Händler, der amerikanische Fahrzeuge verteibt hält unterschiedliche Wertpapiere.

a) Aktien des Unternehmens dessen Fahrzeuge er verteibt.

Diese Titel sollten ganz klar ins Anlagevermögen.

b) Aktien, Gesellschaftsanteile oder stille Beteiligungen eines Zulieferers für den Hersteller der Fahrzeuge (zur Absicherung).

Auch diese Titel können ins Anlagevermögen.

c) Amerikanische Staatsanleihen mit 5 Jahren Laufzeit, Haltedauer bis zum laufzeitende, zur weiteren Absicherung des Portfolios.

Diese Titel können ebenfalls ins Anlagevermögen.

d) Deutsche Staatsanleihen zur Erhöhung der Bonität bei seiner Hausbank oder, sofern Zinszahlungen erfolgen sollten auch zur Schuldentilgung.

Diese Titel gehören wiederum ins Anlagevermögen.

e) Ebenso bilanziert er Schuldverschreibungen seiner Hausbank, Festgeld oder Spareinlagen zur Erhöhung der Bonität bzw. eventuellen Schuldentilgung aus Zinszahlungen im Anlagevermögen.

f) Auf US-Dollar lautende Währungsanleihen (mit kurzer Laufzit) zur Absicherung des Importgeschfts.

Hierbei handelt es sich nun um Umlaufvermögen.

g) Rohstoffzertifikate lautend auf Rohöl oder Metalle als Hedge Geschäft gegen Konjunkturschwankungen.

Auch diese sollten ins Umlaufvermögen.

h) Tagesanleihen der Finanzagentur zur Ansparung der im Folgejahr zu erwartenden ESt-, GewSt-, USt oder KSt.

Auch wenn diese Titel über einen längeren Zeitraum gehalten werden, so sind sie dennoch täglich fällig und sollten ins Umlaufvermögen.

Scherzhaft könnte man natürlich anmerken, dass der Kfz-Händler sich vielleicht aufs Wertpapiergeschäft konzentrieren sollte. Die Auflistung soll aber nur veranschaulichen welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Bilanzierung von Wertpapieren möglich sind.

Punkt a, b, c, d und e wären gewillkürtes Betriebsvermögen.

Die Punkte f und g könnten je nach Volatilität der Märkte als notwendiges Betriebsvermögen angesehen werden.

Punkt h wiederum wäre gewillkürtes Betriebsvermögen.

Die Abschreibung von Wertpapieren:

Hier sollte zunächst geschaut werden um welche Art von Wertpapier es sich handelt und was man mit dem Erwerb und der Bilanzierung bezweckt.

Gerade bei der Teilwertabschreibung ist die Zuordnung innerhalb der Bilanz wichtig.

Wurden die Wertpapiere im Umlaufvermögen bilanziert, dann ist eine Abschreibung bzw. sonstige Korrektur vorzunehmen, wenn der Wert zum Bilanzstichtag unter den Anschaffungswert gesunken ist. Liegt der Wert zum Bilanzstichtag über dem Anschaffungswert wird zum Anschaffungswert bilanziert (Niederstwertprinzip). Hierbei muss natürlich zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz unterschieden werden. Über die Art und Höhe der bilanziellen Korrektur kann nur ein versierter Steuerberater entscheiden.

Handelt es sich um Wertpapiere, die im Anlagevermögen bilanziert wurden, dann sollte für eine Teilwertabschreibung eine dauerhafte Kursminderung vorliegen. Nach dem Unglück der Deep Water Horizon wäre dies z. Bsp. für Gesellschaftsanteile oder stille Beteiligungen an Transocean Ltd. (Betreiber der Ölplattform) oder für BP Aktien (Leasingnehmer der Ölplattform) anzunehmen gewesen.

Ähnlich verhält es sich bei Wertpapieren aus der High Tech Branche wie z. Bsp. Pharmaindustrie, Gentechnik und unter Umständen auch aus der Informationstechnologie. Generell alle risikobehafteten Branchen.

Zyklische Kursschwankungen hingegen (innerhalb von 5 Jahren) sprechen gegen eine dauerhafte Wertminderung. Finanzgericht Köln (Az. 13 K 4033/05)

Hier beginnt meist die Problematik. Was sind zyklische Schwankungen?

Bei einer Aktie von BMW, Porsche, Daimler Benz oder Deutsche Bank etc. kann unter Umständen sicherlich von zyklischen Schwankungen gesprochen werden. Wie man am Beispiel von VW sieht sollten solche Aussagen aber mit Vorsicht getroffen werden.

Auch sind gerade kleinere Unternehmen z. Bsp. aus dem naturwissenschaftlichen Bereich oder der Pharmaindustrie oft nur schwer einzuschätzen.

Hier hilft oft nur eine ausführliche Wertpapier Analyse bzw. die sachkundige Stellungnahme über die Kursentwicklung des Wertpapiers durch einen im Branchen Research versierten Fachmann. Wobei alle Faktoren, die zur Kursminderung beigetragen haben berücksichtigt werden sollten.

Nehmen wir hier als Beispiel wiederum die BP Aktie (WKN 850517 ISIN GB0007890591).

In 2010 gab es (vermutlich in Folge des Unglücks) einen ganz massiven Kurseinbruch. Danach erholte sich die Aktie zwar wieder, erreichte aber nur annähernd die Hälfte des Wertes wie vor 2010.

Anhand solch einer Chart Analyse mit gleichzitigem Branchen Research unter Berücksichtigung aller Faktoren (in dem Falle das Unglück) ließe sich eine Teilwertabschreibung eventuell vertreten.

Doch unabhängig von der sachkundigen Stellungnahme eines Fachmannes im Branchen Research, der Meinung des Steuerberaters oder des Finanzbeamten, hat wie so oft im Leben das letzte Wort ein Richter beim Finanzgericht.

Hier stellt sich dann die Frage ob der Aufwand sich lohnt, oder ob es nicht sinnvoller ist eine klare Trennung über die Handelsbilanz und Steuerbilanz vorzunehmen.

Rechtlicher Hinweis: Für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen.