Kurze Einführung in die Sachverständigkeit




Sachverständige gibt es schon seit dem frühen Mittelalter. Die Gilden und Zünfte der Kaufleute und Handwerker führten damals Qualitätskontrollen ein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahm das Sach­verständigenwesen durch die Industrialisierung großen Aufschwung.

In der heutigen Zeit haben Sachverständige eine noch größere Bedeutung als damals. In vielen Prozessen sehen sich die Richter immer weniger in der Lage, ohne Einschaltung eines Sachverständigen den streitigen Sachverhalt richtig zu erfassen.

In Schiedsgutachten entscheiden Sachverständige über die Höhe von Vermögenswerten und Vermögensschäden. Aber auch Rechtsanwälte und Steuerberater benötigen zur richtigen Einschätzung eines Sachverhaltes oft die sachkundige Aussage eines Sachverständigen.

Der Begriff des Sachverständigen ist nicht gesetzlich geschützt. Das heißt, man braucht keine behörd­liche Zulassung, um sich Sachverständiger zu nennen.

Dennoch darf sich nicht jeder als Sachverständiger bezeichnen. Obwohl der Gesetzgeber nicht definitiv bestimmt wer sich Sachverständiger nennen darf hat sich in der Rechtsprechung ein gefestigter Sach­verständigen Begriff herausgebildet.

Wer Sachverständiger ist lässt sich nur aus dem Begriff selbst und seiner Tätigkeit ableiten. Wer als Sachverständiger auf einem bestimmten Gebiet seine besonderen Kenntnisse und Erfahrungen als Be­rater und/oder Gutachter zur Verfügung stellt, sollte auch tatsächlich sach- und fachkundig sein. Hier sagt der Gesetzgeber, dass jemand als fachkundig gilt, wenn er über die Erfahrung verfügt, die zur Erfassung und Beurteilung der entsprechenden Sachverhalte nötig ist.

Demnach darf sich nur derjenige als Sachverständiger bezeichnen, dessen Fachwissen über dem Standard seiner Berufskollegen in dem bestimmten Beruf liegt. Ferner soll er seine Kenntnisse als Sachverständiger allen Interessierten zur Verfügung stellen.

Hierdurch ergeben sich an den Sachverständigen neben seinen berufsspezifischen Kenntnissen be­stimmte Anforderungen. Er soll fähig und bereit sein seine Tätigkeit unparteiisch und gewissenhaft auszuüben. Dazu gehört neben der sachlichen und neutralen Form seiner Ausdrucksweise in der gut­achtlichen Tätigkeit auch die Ablehnung eines Auftrages, wenn dieser nicht in sein Fachgebiet fällt.

Die Sachkunde auf einem bestimmten eng umgrenzten Gebiet kann durch Berufserfahrung, Prüfungen und Weiterbildungen nachgewiesen werden.

Somit regelt sich der Begriff des Sachverständigen schon durch das BGB, die GewO und das UWG. Aufgrund der von ihm verlangten Objektivität aber auch durch die ZPO und StPO.

In der heutigen Zeit haben sich verschiedene Arten von Sachverständigen gebildet. So gibt es z. B. die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und die verbandsanerkannten Sachverständigen.

Die öffentliche Bestellung wird für die Erstattung von Gutachten und die beratende Tätigkeit nicht vorausgesetzt. D. h., dass auch freie Sachverständige zur gutachtlichen Tätigkeit hinzu gezogen werden können.

Die Aufgabe von Sachverständigen besteht darin, aufgrund ihrer Sach- und Fachkunde zu tatsächlichen Sachverhalten Stellung zu nehmen und fachlichen Rat zu erteilen. D. h. Feststellung von Tatsachen, Schlussfolgerungen aus Tatsachen und Darstellung von Erfahrungssätzen.

Mit Hilfe von Gutachten können gerichtliche Auseinandersetzungen vermieden, aber auch richtige und gerechte Urteile getroffen werden.

Eine weitere Form der gutachtlichen Tätigkeit ist das Schiedsgutachten. Es ist als Mittel der außerge­richtlichen Konfliktlösung zu sehen. Durch das Schiedsgutachten sollen Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten auf privater Grundlage außergerichtlich und dennoch rechtsverbindlich gelöst wer­den. Hierzu müssen sich die Parteien auf einen Sachverständigen einigen und diesen gemeinsam be­auftragen und sich später auch dem Ergebnis des Gutachtens unterwerfen.

Das Schiedsgutachten selbst ist die unabhängige und unparteiische Stellungnahme eines sachverständi­gen und neutralen Dritten. Der Schiedsgutachter stellt allerdings nur Umstände fest. Er befindet nicht über die sich daraus ergebenden Verpflichtungen der Parteien und trifft auch keine Rechtsfolgen, wie es z. B. beim Schiedsgericht der Fall ist. Es ist kein Schiedsspruch, sondern eher ein Instrument der Mediation.





* Meine Tätigkeit im Bereich der Buchhaltung beschränkt sich ausschließlich auf Tätigkeiten nach § 6 Nr. 1 StBerG bzw. § 2 Nr. 3 Satz 1 RDG (Datenanalysen und sachkundige Stellungnahmen)
Z. B. zur Beantragung von KfW Fördermitteln oder Krediten der Hausbank.
Sowie Tätigkeiten nach § 6 Nr. 4 StBerG (das Buchen laufender Geschäftsvorfälle sowie das Erstellen laufender Lohnabrechnungen).