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Portfoliotheorie nach Markowitz

Ein Fachartikel von Piero Zedda, Dortmund
Thema: Portfoliotheorie nach Markowitz und ihre Bedeutung in der Anlagepraxis

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen!

"Ein gutes Portfolio ist mehr als eine lange Liste von Wertpapieren. Es ist eine ausbalancierte Einheit, die dem Investor gleichermaßen Chance und Absicherung unter einer Vielzahl von möglichen zukünftigen Entwicklungen bietet. Der Anleger sollte daher auf ein integriertes Portfolio hinarbeiten, das seinen individuellen Erfordernissen Rechnung trägt."

Harry M. Markowitz, Portfolio Selection (1959)
Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1990

Im Jahre 1990 erhielt Prof. Harry M. Markowitz für seine Forschungen auf dem Gebiet der Portfoliothorie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Markowitz hatte formal gezeigt, dass das Risiko eines Portfolios riskanter Anlagen kleiner - maximal gleich - dem durchschnittlichen Risiko der Portfoliobestandteile ist und er entwickelte komplexe, aber dennoch praktikable Berechnungsmethoden zur Zusammenstellung risikoeffizienter Portfolios.

Bedeutung für den Anleger:

Diese Theorie hat zunächst einmal Allgemeingültigkeit für jedes Depot.

Von Kapitalanlagegesellschaften wird die Portfoliotheorie jedoch oft herangezogen um potenziellen Anlegern zu erklären warum sie gerade in diese (von der Gesellschaft vertriebenen) Anlageform investieren sollen.

Dabei werden folgende Punkte aber nicht berücksichtigt:

Zunächst einmal fließt in diese Theorie nicht die allgemeine Liquidität (Verfügbarkeit) einer Anlage ein. Weiterhin ist die Portfoliotheorie allgemeingültig und kann somit nicht die individuellen Bedürfnisse und die Anlagementalität jedes einzelnen Kapitalanlegers berücksichtigen.

Ein Anleger wählt eine Kapitalanlage nach den Kriterien Risiko, Rendite und Verfügbarkeit aus, zusätzlich berücksichtigt er seine ganz individuelle Mentalität innerhalb dieser Faktoren.

Kapitalanleger lassen sich also oftmals von Gefühlen leiten; berücksichtigen aber auch künftige Entwicklungen in ihrem Leben. Wer z. Bsp. vor hat sich in absehbarer Zeit selbständig zu machen und deshalb liquidide Mittel benötigt kann eine Anlageform, die sein Kapital langfristig bindet nicht gebrauchen.

Betrachtet man das am Beispiel verschiedener Anlegertypen, so ergeben sich folgende Konstellationen:

Fall A

Anleger A ist sehr konservativ ausgerichtet. Er hält in seinem Depot nur festverzinsliche Wertpapiere mit guter Bonität. Seine Ausrichtung ist nicht auf eine hohe Rendite, sondern auf eine hohe Sicherheit abgestellt.

Würde er nun ein festverzinsliches Wertpapier eines Emittenten schlechter Bonität ins Depot nehmen, so erhöht dies sicherlich seine Rendite, da solch ein Titel höher verzinst ist.

Betrachtet man nun sein Depot unter Berücksichtigung der Portfoliotheorie nach Markowitz, so hätte er mit minimaler Erhöhung des Risikos auch seine Rendite minimal erhöht.

Hier stellt sich aber die Frage: Wollte der Anleger dieses höhere Risiko?

Da er seine Ausrichtung auf Sicherheit legt hätte er sich aus seiner Sicht verschlechtert.

Ebenso käme eine Kapitalanlage mit höherem Risiko und daraus resultierender höherer Rendite für gewisse Anleger gar nicht in Frage, da manche Anleger z. Bsp. aufgrund gesetzlicher Vorgaben verpflichtet sind Gelder mündelsicher oder deckungsstocksicher anzulegen.

Fall B

Anleger B legt sehr viel Wert auf eine hohe Verfügbarkeit. Er kennt die Risiken verschiedener Anlageformen und kombiniert sie in seinem Depot strategisch. Wichtigstes Merkmal vor Rendite und Risiko ist für ihn die Verfügbarkeit.

Nimmt er nun einen Titel mit hoher Sicherheit, der häufig auch eine lange Laufzeit hat ins Depot, so hat sich sein Depot nach der Markowitz Theorie sicherlich verbessert.

Doch wollte der Anleger das auch? Da seine Ausrichtung auf hohe Verfügbarkeit der Kapitalanlagen abzielt hätte er sich aus seiner Sicht verschlechtert.

Fazit:

Alleine schon an diesen beiden Beispielen lässt sich erkennen, dass die Portfoliotheorie nach Markowitz zwar eine gute Entscheidungshilfe zur Diversifizierung des Depots ist, sie kann aber niemals isoliert zur Begründung heran gezogen werden warum ein Anleger gerade in diese oder jene Kapitalanlage investieren soll.

An erster Stelle sollte für den Kapitalanleger immer eine individuelle, neutrale Beratung stehen bei der alle in Betracht kommenden Faktoren berücksichtigt werden.