Spekulationsgeschäfte, Politik, Weltwirtschaft




Ein Fachartikel von Piero Zedda, Bankkaufmann und Unternehmensberater, Dortmund

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Rechtlicher Hinweis: Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen stellen lediglich die Meinung des Autors dar. Sie sind keine Empfehlung für den Kauf oder Verkauf bestimmter Kapitalanlagen.

Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit.

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Im Jahre 2016 wurden Spekulanten von einigen Politikern als "Taliban in Nadelstreifen" bezeichnet. Doch ist dem wirklich so, oder sind Spekulanten nicht eher die "Gesundheitspolizei" der Weltwirtschaft die lediglich wirtschaftliche Verwerfungen sehen und diese für ihre Geschäfte nutzen. Dadurch kommt es, wenn auch für einige Marktteilnehmer recht schmerzlich zu bereinigenden Effekten am Markt.

Vorwort

In diesem Artikel sind viele Sachverhalte sehr stark vereinfacht dargestellt, um auch dem Laien die komplizierte Materie der Finanzgeschäfte näher zu bringen.

Spekulationsgeschäfte

Was sind Spekulationsgeschäfte? Um es vorweg ganz deutlich zu sagen, es ist nicht nur eine Wette auf ein zukünftiges Ereignis, sondern ganz normales alltägliches Handeln. Man versucht durch eine bestimmte Handlungsweise seine Situation in der Zukunft zu verändern.

"Selbst im Tierreich gibt es "Spekulationen". So ist z. B. das Lausen unter Affen eine soziale Handlung. Hierdurch wird also auf eine bestimmte Position innerhalb der Gruppe bzw. gegenüber des Aktionspartners "spekuliert".

Ebenso sind Rangkämpfe unbewusste Spekulationsgeschäfte. Entweder ein Individuum gewinnt und wird Anführer der Gruppe, oder es verliert und muss die Gruppe verlassen, was oft seinen Tod bedeutet.

Im belebten Bereich der Natur ist vieles "Spekulation".

Zuerst betrachten wir das Geschäft eines "kleinen" Einzelhändlers. Sie als Kunde gehen dort hin und kaufen eine Ware zum aktuellen Preis. Gehen Sie heute ins Kaufhaus und möchten einen Fernseher kaufen, dann ist der Preis an dem Artikel Ihrer Wahl ausgeschrieben. Sagen wir mal 500 Euro. Sie kaufen den Fernseher, bezahlen die 500 Euro, nehmen Ihre Ware und gehen glücklich nach Hause.

Was aber wenn Sie den Fernseher heute schon kaufen möchten, aber nächste Woche erst das Geld haben oder den Fernseher in mehreren Raten abzahlen möchten?

Haben Sie das Geld erst nächste Woche, dann unterschreiben Sie heute bereits den Kaufvertrag und vereinbaren die Lieferung für nächste Woche. Der Händler seinerseits hat nun zwei Möglichkeiten: 1. Er stellt schon jetzt einen Fernseher zur Seite und liefert Ihnen dieses Gerät in der nächsten Woche aus. 2. Er ordert erst in der nächsten Woche das entsprechende Gerät bei seinem Händler und liefert es dann aus.

Ist der Preis bei seinem Lieferanten zwischenzeitlich gestiegen, dann hat er eine geringere Gewinnmarge oder sogar einen Verlust. Hat er am Kauftag ein Gerät zur Seite gestellt und Sie treten zwischenzeitlich vom Kaufvertrag zurück, dann könnte er es wieder zum Verkauf anbieten, natürlich zu dem dann höheren Preis und hätte einen höheren Gewinn.

Wollen Sie den Fernseher heute schon mitnehmen, haben das Geld aber nicht und vereinbaren eine Ratenzahlung, dann erhöht sich der Preis des Fernsehers für Sie um die Zinsen für den Kredit und evtl. auch noch durch die Versicherung für den Fall, dass Sie Ihre Raten nicht zahlen können (Kreditausfallversicherung).

Ein weiteres Beispiel ist das Tanken Ihres Fahrzeuges.

Sagen wir mal ein Liter Super kostet momentan 1,429 Euro. Das ist aktuell ein realistischer Preis an jeder Tankstelle.

Plötzlich, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause sehen Sie, dass sich der Preis verringert hat. Sagen wir mal auf 1,399 Euro. Was machen Sie? Natürlich das was alle anderen auch machen. Sie stellen sich in eine ich weiß nicht wie lange Schlange an der Tankstelle an und tanken den Wagen voll. Warum machen Sie das? Sie erwarten natürlich, dass der Preis morgen wieder steigt.

Sie könnten, wenn noch genug Benzin im Tank ist aber auch bis morgen warten, in der Hoffnung, dass der Preis noch weiter fällt.

Ebenso könnte Sie fast jeden Tag nur für einen geringen Betrag tanken, weil sich bei unterschiedlichen Preisen auf das Jahr gesehen immer eine Mischkalkulation ergibt.

Als nächstes Beispiel betrachten wir nun Ihren wohlverdienten Jahresurlaub.

Viele kennen sicherlich noch die Situation vor Einführung des Euro. Es gab die D-Mark, italienische Lira, spanische Peseten und so weiter.

Vor Antritt der Urlaubsreise sind Sie zu Ihrer Hausbank gegangen und haben  einen bestimmten Betrag Ihrer D-Mark in die Währung des Urlaubslandes getauscht. Je nach Wechselkurs bekamen Sie mehr oder weniger Geld in der entsprechenden Landeswährung. Außerdem wurde auch noch die Wechselgebühr der Bank fällig.

Genau so verhält es sich heute natürlich auch noch bei Reisen in die USA.

Noch vor einige Wochen erhielten Sie für 1 Euro ca. 1,121 US-Dollar, heute sind es aktuell ca. 1,124 US-Dollar.

Ihr wirtschaftliches Leben in Europa ist in Euro ausgerichtet, das des Amerikaners natürlich in US-Dollar.

Nun reisen Sie in die USA und sehen dort eine Digitalkamera für 100 Dollar. Diese gefällt Ihnen und Sie kaufen sie.

Bei einem Kauf noch vor einigen Jahren zu einem Kurs von 1,32 US-Dollar:

1 Euro = 1,32 US-Dollar

X Euro = 100 US-Dollar

Die Digitalkamera kostet Sie in Euro umgerechnet 75,7575 Euro.

Bei einem Kauf zum aktuellen Kurs von 1,22 US-Dollar:

1 Euro = 1,22 US-Dollar

X Euro = 100 US-Dollar

Die Digitalkamera kostet Sie umgerechnet 81,9672 Euro.

Wenn Sie regelmäßig in die USA reisen, dann können Sie natürlich den Wechselkurs beobachten und wenn er Ihnen günstig erscheint Ihr Geld umtauschen.

Ähnlich war es vor Einführung des Euro auch innerhalb Europas. Allerdings gab es damals bereits die "Kunstwährung" ECU um Händlern mit grenzüberschreitendem Handel ein gewisses Maß an Planungssicherheit zu geben.

Bereits an diesen kleinen Beispielen sehen Sie, dass fast jedes alltägliche Geschäft auch eine kleine Spekulation ist.

Nehmen wir nun als Beispiel einen Mineralöl Händlers, der seine Handelsaktivitäten wie jeder ordentliche Kaufmann sorgfältig planen muss.

Hierbei geht es nicht mehr um einen Fernseher oder eine Tankfüllung für ein paar Euro mehr oder weniger sondern oftmals um Millionenbeträge.

Am 15.05.2010 betrug der Preis für Rohöl ca. 76,70 US-Dollar je Barrel. Preisunterschiede zwischen den Sorten BRENT und US-WTI lassen wir der Einfachheit halber mal außen vor, sonst wird es zu kompliziert.

Hat der Händler nun eine Order über 1 Million Barrel für nächste Woche, dann geht es hier um ein Geschäft über 76.700.000 US-Dollar. Beim Rohöl handelt es sich aber um Tagespreise, dass heißt, er muss nächste Woche den dann aktuellen Preis bezahlen. Da heute bereits die Bestellung war, beträgt sein Verkaufspreis als einzig bekannte Bezugsgröße 76,70 US-Dollar je Barrel. Auch kann er sich nicht mal eben 1 Million Barrel für den Abnehmer zur Seite legen.

Würde der Preis nun von 76,70 US-Dollar auf 77,20 US-Dollar steigen, dann hätte er einen Verlust von 0,50 US-Dollar je Barrel.

Bei eine Million Barrel wäre das ein Verlust von 500.000 US-Dollar bei diesem Geschäft.

Anders herum könnte der Preis aber auch sinken, sagen wir mal auf 76,20 US-Dollar je Barrel.

Dann hätte sein Abnehmer einen Verlust von 500.000 US-Dollar, weil er seinen zu dem Zeitpunkt zu hohen Kaufpreis nicht am Markt weiter geben kann.

Drei aufeinander folgende Geschäfte in der Größenordnung, sprich 1,5 Mio. US-Dollar und man ist pleite.

Hat der Lieferant seinen Sitz in den USA und der Händler seinen Sitz irgendwo in Europa, dann rechnet der Lieferant natürlich in US-Dollar und der Händler in Euro.

Fällt der Devisenkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar, dann hätte der Händler ebenfalls einen Verlust, denn er rechnet in Euro und muss ja nun mehr je Barrel bezahlen.

Beide wären ohne Absicherung also permanent von Insolvenz bedroht.

Damit das nicht passiert gibt es sog. Terminkontrakte. Das heißt ich vereinbare heute bereits eine Lieferung für nächste Woche zu einem heute vereinbarten Preis. Diese Terminkontrakte werden an der Börse gehandelt und haben zunächst nicht besonders viel mit dem oben beschriebenen Geschäft zu tun. Sie sind davon gewissermaßen abgekoppelt.

Der Händler kann nun gleichzeitig zu seinem tatsächlichen Geschäft über 1 Million Barrel einen Terminkontrakt für eine Million Barrel abschließen.

Natürlich muss er nicht den gesamten Preis für diesen Kontrakt bezahlen, sondern nur die Differenz.

Hierdurch verringert sich zwar seine Gewinnmarge, aber auch sein Verlustrisiko.

Sie sehen an diesem Beispiel, dass Sie mit einem Einsatz von 500.000 Dollar ein Börsengeschäft über mehr als 76 Millionen Dollar abschließen können.

Mit dem Wechselkurs der beiden Währungen könnte er das gleiche Geschäft tätigen, um sich auch gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

Auch hierfür gibt es Devisentermingeschäfte die an den Börsen gehandelt werden.

Dafür gibt es Kaufoptionen und Verkaufsoptionen.

Gleichzeitig wird das tatsächliche Geschäft natürlich auch über Versicherungen abgesichert. Stellen Sie sich mal den Verlust bei einem Schiffsunglück vor.

Im Internationalen Handel gibt es bestimmte Gepflogenheiten wie der eigentliche Handel abgewickelt werden soll, die sog. Incoterms.

Bleiben wir einmal beim oben genannten Beispiel Ihres gekauften Fernsehers. Sie haben auf dem Weg nach Hause einen Unfall und der Fernseher ist kaputt. Dumm gelaufen, das Risiko liegt bei Ihnen und nicht beim Verkäufer. Dafür haben Sie hoffentlich eine Versicherung.

Genau diese Risiken, d. h. wer wann welches Risiko zu tragen hat regeln die internationalen Verträge über die Incoterms.

Wir wollen hier aber nicht in das sog. Akkreditivgeschäft abdriften, sonst wird es zu kompliziert.

Fakt ist, er sichert seine Geschäfte als ordentlicher Kaufmann gegen Risiken ab (engl. = to hedge).

Nun gibt es Fonds, die nur mit solchen und ähnlichen Absicherungsgeschäften Geld verdienen oder auch "verlieren", sog. Hedge Fonds.

Hedge Fonds sind hauptsächlich im anglikanischen (englisch sprechenden) Raum angesiedelt. Dort haben die Menschen zur Markt- und Finanzwirtschaft ein anderes Verhältnis. Ob das nun besser oder schlechter ist bleibt zunächst dahingestellt.

Diese Spekulanten werden in Deutschland oft als Zocker oder Heuschrecken diffamiert, was aber nicht so richtig den Kern der Sache trifft wie Sie noch sehen werden.

Randbemerkung: Geld geht nicht verloren, es wechselt nur seinen Besitzer.

Geschichtliches:

Fakt ist, ohne Spekulanten kann die Weltwirtschaft nicht funktionieren, weil sich niemand bereit erklärt das Risiko eines anderen zu teilen. Das war schon im frühen Mittelalter so. Für große Expeditionen mit Handelsschiffen wurden Anteilsscheine ausgegeben. Die Eigner der Anteilsscheine gaben Geld um die Expedition zu finanzieren. Davon erhofften sie sich Gewinne.

Jede noch so kleine Nachricht über die Expedition z. B. über ein Unwetter auf der Handelsroute oder einen Überfall ließ den Wert des Anteilsscheines sinken.

Anders herum ließen gute Nachrichten z. B. über ruhiges Wetter oder gut gefüllte Schiffsbäuche mit Handelsware den Wert der Anteilsscheine steigen.

Sehr gewissenhaft beim Handel waren die italienischen Kaufleute. Viele Begriffe der heutigen Zeit stammen aus dieser Epoche.

Z. B. das Wort bankrott. Es kommt von banca rotta. In der damaligen Zeit haben die Händler ihre Geschäfte auf eine Tisch erledigt. War der Kaufmann nicht in der Lage seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, dann wurde dieser Tisch bzw. die Bank (wörtlich) (banca) von seinen Gläubigern zerschlagen (rotta).

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff tabula rasa (reinen Tisch machen).

Die Kreditaufnahme:

Es gibt drei Gründe zur Aufnahme eines Kredites.

1. Ich möchte mir etwas mehr Luxus gönnen z. B. ein neues Auto und habe nicht soviel Geld um es zu kaufen.

2. Ich möchte mich selbständig machen und benötige dafür ein neues Auto.

3. Ich möchte mein Geld in einer Kapitalanlage investieren und bekomme dabei mehr Zinsen als ich für die Kreditaufnahme bezahlen muss.

Im ersten Fall "verschwende" ich das Geld, weil ich dadurch keine Werte schaffe.

In den anderen beiden Fällen schaffe ich nachhaltige Werte.

Das ist der Unterschied zwischen Konsum und Investition.

Wie entstehen Wechselkurse bzw. der Wert einer Währung:

Vor "Erfindung" des Geldes gab es den Tauschhandel. Man bekam z. B. für eine Kuh 4 Sack Getreide. Zu dieser Zeit gab es noch keine Spekulationsgeschäfte oder wenn, dann in nicht nennenswertem Umfang.

Doch bereits mit der Einführung von Edelmetall als "Währung", also in weiten Teilen der Erde akzeptiertes Zahlungsmittel, gab es "Spekulationsgeschäfte". Dies wird in dem Märchenfilm "Das kalte Herz" sehr deutlich. Der arme Junge Peter wird Holzflößer und schlägt in einer Ortschaft ein für seine Verhältnisse gutes Geschäft aus, weil er gehört hat, dass er mehrere Ortschaften weiter einen wesentlich höheren Preis erzielen könne. Bereits hier kann von Spekulation gesprochen werden. Er hätte zur damaligen Zweit auch überfallen werden können, oder die Nachricht des höheren Preises in der anderen Ortschaft wäre vielleicht gelogen gewesen um einen unangenehmen Konkurrenten in den Ruin zu treiben.

Gleichzeitig gibt er sein Geld nicht aus, sondern spart es und vermehrt so sein Vermögen.

Schon zur damaligen Zeit wurden "Spekulanten" als kaltherzig bezeichnet.

Später wurde der Wert einer bestimmten Währung über Gold definiert. Der Wert der Währung hing davon ab, wieviel Währungsreserven das Land hielt. Hätten die USA z. B. 100.000 Tonnen Gold besessen und dafür nur 100.000 Dollar in Umlauf gebracht, dann wäre ein Dollar soviel Wert gewesen. Hätte Deutschland zu der Zeit ebenfalls 100.000 Tonnen Gold besessen, dafür aber 200.000 Mark in Umlauf gebracht, dann wäre eine Mark soviel Wert gewesen wie eine halbe Tonne Gold. Der Dollar wäre also doppelt soviel Wert gewesen wie die Mark. Anm.: Zu der Zeit gab es die D-Mark noch nicht.

Weil die Menge an Edelmetall auf der Erde begrenzt ist und seine Vorkommen unregelmäßig verteilt sind suchte man nach einer anderen Bezugsgröße um den Wert einer Währung zu bestimmen.

Man koppelte den Wert eine Währung an das Bruttoinlandsprodukt. Dieses gibt einfach nur den Wert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft hergestellt werden. Da jedes Land seine eigene Währung hat kann man natürlich nicht richtig vergleichen, also bedient man sich einer Leitwährung. Das ist der US-Dollar.

Laut Wikipedia lag Deutschland im Jahre 2007 weltweit auf Rang 18 und die USA auf Rang 12. In den USA wurden also mehr Waren und Dienstleistungen produziert als in Deutschland.

Für die USA betrug das BIP z. B. für das Jahr 2007 44.594 US-Dollar, für Deutschland betrug es 39.979 US-Dollar pro Einwohner.

Wenn ein Land nur aus einem einzigen Einwohner bestehen würde, dann dürfte exakt für die Summe von 44.594 US-Dollar Geld in Umlauf sein um mal beim Beispiel USA zu bleiben. Betrug die Menge des Gelds im Vorjahr z. B. 44.590 US-Dollar, dann könnte der Staat im Folgejahr 94 US-Dollar neu drucken und in Umlauf bringen ohne die Gefahr einer Inflation zu riskieren.

Wenn nun aber ein Staat mit seinem Geld nicht haushaltet und mehr Geld benötigt als vorhanden ist, dann hat er drei Möglichkeiten:

1. Er druckt mehr Geld als das BIP zulassen würde. Das bedeutet Geldentwertung und Inflation.

2. Er nimmt über Staatsanleihen Kredit auf.

3. Er erhöht die Steuern und oder senkt die Transferzahlungen (z. B. Subventionen, Zuschüsse etc.) an seine Bürger.

4: In der heutigen Zeit kommt noch das unnatürliche Phänomen der Negativzinsen hinzu.

Punkt drei wäre ein strenger Sparkurs, Punkt vier kommt einer Enteignung der Sparer gleich.

Punkt eins jedoch ist auch eine kleine Spekulation, nämlich darauf, dass die Bürger und die Wirtschaft des Landes in der Lage sind das BIP soweit zu steigern, dass der Kredit zuzüglich der Zinsen abgezahlt werden können.

Ist die Bevölkerung dieses Staates über mehrere Jahre hinweg dazu nicht in der Lage, dann droht Überschuldung und im schlimmsten Fall die Staatspleite.

Günstige Kredite gibt es aber nur, wenn der Kreditgeber darauf vertraut sein Geld auch zurück zu bekommen. Kredite mit Negativverzinsung für private Kreditnehmer sind meiner Meinung nach nichts weiter als ein Marketinginstrument.

So hätte Deutschland beispielsweise kein Problem Bundesschatzbriefe mit einer Verzinsung von nur 2% oder inzwischen sogar mit Negativverzinsung pro Jahr an den Mann zu bringen. Wer die erwirbt weiß genau er bekommt sein Geld vom deutschen Staat mit Sicherheit zurück. Deutschland hat also eine gute Kreditwürdigkeit (Bonität) und somit auch ein gutes Rating.

Bei Griechenland ist das nicht der Fall. Ein Geldgeber bangt um sein Geld und will für das größere Risiko auch erheblich mehr Zinsen. Also wird der Kredit für Griechenland wesentlich teurer (schließlich ist der Zins nichts weiter als der Preis für die Handelsware Geld). Griechenland hat also eine schlechtere Bonität und auch ein schlechteres Rating.

Um sich zusätzlich noch gegen einen Zahlungsausfall abzusichern verlangt der Geldgeber auch eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall (Kreditausfallversicherung). Das ist nichts weiter als eine Restschuldversicherung die jeder kennt, der mal etwas auf Ratenzahlung gekauft oder einen Kredit hatte.

Betrachten wir nach all den vorangegangenen Ausführungen nun retrospektiv die Geschehnisse der Finanzkrise und versuchen diese von der Historie her aufzuzeigen.

Die Griechenland Krise:

Historie der EU:

Bereits vor Einführung des Euro in der EU gab es die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft), daraus entstand die EU (Europäische Union).

Warum wurde die EWG gegründet?

Sie haben weiter oben gesehen mit welchen Risiken der Mineralölhändler sein Geschäft betreibt. Diese Risiken wollte man durch Gründung der EWG minimieren.

Man hat eine bestimmte Spanne ausgemacht in der sich die Wechselkurse der europäischen Währungen bewegen sollten. Diese Spanne zwischen den Wechselkursen sollte nicht unterschritten oder überschritten werden.

Jeder Händler innerhalb der EWG konnte nun besser kalkulieren. Er hätte sich bei jedem Geschäft den besten und den schlechtesten Kurs vorher ausrechnen können. Das war vorher nicht möglich.

Für Deutschland als export-orientiertes Land, aber auch für jeden Händler in einem import-orientierten Land wie z. B. Griechenland bestand nun mehr Sicherheit im Handel untereinander.

Die Griechen hätten ihre Rüstungsgüter oder andere Maschinen zwar nicht in Deutschland, sondern in Russland oder China kaufen können, dann wäre aber für den Importeur (Griechenland) das Währungsrisiko um ein vielfaches größer gewesen und der deutsche Händler hätte kein Geschäft gemacht.

Millionen von Menschen mussten sich vor einer Geschäftsreise oder vor einer Urlaubsreise aber immer noch Gedanken über den Wechselkurs machen.

Um auch dieses Risiko auszuschließen und den Handel innerhalb Europas noch weiter zu vereinfachen wurde der Euro eingeführt.

War ein Land vor Einführung des Euro nur für die Stabilität seiner eigenen Währung verantwortlich, so waren die Staaten nach Einführung des Euro nun auch für die anderen mit verantwortlich.

Aus diesem Grunde wurde klare Regeln aufgestellt wie viele Schulden ein Land nur machen darf um nicht auch die Stabilität der anderen Staaten in dieser Gemeinschaft zu gefährden.

Was ist in Deutschland passiert:

Der deutsche Staat hat abgesehen von seiner starken Wirtschaft mit hoher Wertschöpfung beim BIP einen harten Sparkurs gefahren. So wurde die Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) von damals 15% auf inzwischen 19% angehoben. Auch die Gewerkschaften haben ihren Teil über zurückhaltende Abschlüsse bei Lohnerhöhungen beigetragen. Gleichzeitig wurden Programme zur Beschäftigungsförderung aufgelegt.

Das Personal im öffentlichen Dienst wurde abgebaut und natürlich bediente man sich auch ein paar Tricks. So wurden viele vorher kommunale Einrichtungen wie z. B. Krankenhäuser, Müllabfuhr etc. privatisiert und konnten so den öffentlichen Haushalt nicht mehr belasten. Gleichzeitig wurden Subventionen z. B. im Bergbau massiv abgebaut.

Die deutschen Bürger sind weitestgehend steuerehrlich und die Schwarzarbeit hält sich in "erträglichen" Grenzen. Auch werden Steuersünder verfolgt und bestraft.

Was ist in Griechenland passiert:

Griechenland hat außer dem Tourismus keinen nennenswerte Wirtschaft. Die wenigen landwirtschaftlichen Produkte, die zur Steigerung des BIP erwirtschaftet werden fallen kaum ins Gewicht.

Um seine Bürger in Lohn und Brot zu bringen wurde die öffentliche Verwaltung aufgebläht. Man hat mehr Personal beschäftigt als benötigt wurde. So konnten die Menschen Geld verdienen um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Da hierfür nicht genügend Geld vorhanden war hat man Kredite aufgenommen.

Nun kam aber nicht genügend Geld herein. Die Menschen in der freien Wirtschaft haben ihre Steuern so gezahlt wie sie der Meinung waren es zu müssen.

Da hatte ein Arzt in Griechenland dann laut Steuererklärung plötzlich geringere Einnahmen als z. B. eine Putzfrau in Deutschland. Dies hat der griechische Staat hingenommen ohne gegenzusteuern.

Die Kreditaufnahme an sich ist nichts schlechtes. Mit dem Geld hätten aber Investitionen getätigt werden sollen. Gleichzeitig hätte ein moderater Sparkurs gefahren werden müssen, der die Bürger des Landes nicht zu sehr belastet.

Portugal. Spanien, Italien:

In diesen Ländern wird seit längerer Zeit ein moderater Sparkurs gefahren.

So hat Spanien z. B. bestimmte Subventionen gestrichen wie es bei dem Babygeld (es gab Geld für die Geburt eines Kindes) war.

Portugal, Spanien und Italien haben sich mit den Ausgaben zurück gehalten ohne die Bürger zu sehr zu belasten.

Die Politik:

Den Politikern aller EU-Länder war diese Situation in Griechenland von vorn herein bewusst.

Um in Deutschland Arbeitsplätze in der Industrie (Export) zu sichern hat man sich auf dieses "Spiel" eingelassen.

Hätte Griechenland mit den Krediten Investitionen getätigt, dann hätte die Industrie in Deutschland nicht so viele Aufträge erhalten. Außerdem hätte dadurch rein theoretisch ein Konkurrent entstehen können.

Ein hierdurch entstehendes Ungleichgewicht bei der Bewertung des Euro wurde in Kauf genommen und den Bürgern verschwiegen. Ihnen war klar, dass  die "Fehler" eines Landes alle anderen Länder mit belasten würde.

Inzwischen werden, wenn auch recht hektisch, die erforderlichen Gegenmaßnahmen ergriffen.

Sie machen tabula rasa um einem banca rotta vorzubeugen.

Die Politiker müssen allerdings aufpassen, dass sie dabei nicht über das Ziel hinausschießen und den Finanzmarkt überregulieren.

Die Spekulanten:

Spekulanten wollen wie jeder andere Mensch auch Geld verdienen. Das liegt in der Natur der Sache.

Ein Händler der Ware kauft um diese mit Gewinn wieder weiter zu verkaufen trägt auch ein gewisses Risiko. Er könnte auch auf seiner Ware sitzen bleiben und ist dann irgendwann pleite.

So geht es auch den Spekulanten. Sie beteiligen sich an risikoreichen Geschäften in der Hoffnung, dadurch mehr Geld zu verdienen als andere.

Gleichzeitig gehen Sie allerdings auch bestimmte "Wetten" ein. Sie sind dabei ständig auf der Suche nach Ungleichgewichten. Wenn alles ruhig läuft und vor sich hinplätschert dann können sie kein Geschäft machen. Dass ist aber unwahrscheinlich, weil egal ob in der Wirtschaft oder in der regulierenden Politik Fehler gemacht werden bzw. die "Spekulation" ihren Anfang nimmt.

Hier ist die Ursache. Die Auswirkungen des Handels der Spekulanten ist nur die Auswirkung.

Was ist im Falle von Griechenland passiert:

Jeder kann in den USA eine Kreditausfallversicherung abschließen auch wenn er gar keinen Kredit hat.

Wie jeder weiß verteuert die Restschuldversicherung den Kredit.

Bei Einführung des Euro bekam man für 1 Euro nur ca. 0,80 US-Dollar. In der jüngsten Vergangenheit stand die Parität bei 1 Euro = ca. 1,36 US-Dollar.

Die Spekulanten haben erkannt, dass der Euro viel zu hoch bewertet war und Griechenland weit über seine Verhältnisse lebt. Es bestand ein Ungleichgewicht zwischen der Bewertung der Währung Euro und der Wertschöpfung des BIP in Griechenland. Somit bestand auch ein Ungleichgewicht in der gesamten Euro-Zone.

Dieses Missverhältnis haben die Spekulanten erkannt und über das Instrument der Kreditausfallversicherung versucht Geld zu verdienen. Gleichzeitig kann man dann noch auf einen fallenden Euro "wetten".

Zur Zeit liegt 1 Euro bei ca. 1,22 US-Dollar.

Ein Wert zwischen 1,20 und 1,25 US-Dollar ist ein realistischer Wert. Das hat auch der Chef Volkswirt bei der Deutschen Bank am 17.05.2010 so in den Nachrichten kommuniziert.

Die Spekulanten haben wenn auch auf recht brutale Art und Weise regulierend in den Markt eingegriffen.

Griechenland war nun mal das schwächste Glied in der Kette der Euro-Staaten.

Sie hätten es niemals gewagt bei Portugal, Spanien oder Italien zuerst den Hebel anzusetzen. Diese Länder fahren wie bereits erwähnt seit einiger Zeit einen moderaten Sparkurs und die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes wäre für die Spekulanten zu groß gewesen.

Im Falle von Griecheland haben die Spekulanten wie bereits erwähnt mit Kreditausfallversicherungen spekuliert. Diese sind wie alle Risikoversicherungen relativ billig.

Gleichzeit haben sie mit Sicherheit auch auf einen fallenden Euro spekuliert.

Griechenland hat aktuell ca. 300 Mrd. US-Dollar Schulden. Gegen einen Kreditausfall auf griechische Staatsanleihen wird aber "nur" mit einem Betrag von ca. 60 Mrd. US-Dollar gewettet.

Mit einer billigen Kreditausfallversicherung (Restschuldversicherung) und dem Instrument auf fallende Euro-Kurse zu wetten (wobei ja nur die Differenzen bedient werden müssen) kann man aber auf einen weit höheren Betrag als 300 Mrd. spekulieren.

In der Finanzwirtschaft ist es wie in der Natur:

Raubtiere erbeuten fast ausschließlich alte, kranke und schwache Tiere. Sie halten somit die Population ihrer Opfertiere gesund. Das heißt sie greifen regulierend ein.

Dabei darf man nicht vergessen, dass die meisten Angriffe von Raubtieren nicht von Erfolg gekrönt sind.

Spekulanten nun als "Taliban in Nadelstreifen" zu bezeichnen trifft nicht den Kern der Sache. Ebenso könnte man den Politikern den gleichen Vorwurf machen. Aber auch allen Menschen, die ihr Geld in Kapitalanlagen, gleich welcher Art, investieren und auch allen Menschen der Erde, die bei solchen Marktbewegungen nervös reagieren und wie die Lemminge ihr Geld schlagartig irgendwo abziehen.

Allerdings sind die Spekulanten auch nicht die großen Retter der Weltwirtschaft die einer Gesundheitspolizei gleich regulierend eingreifen. Auf dieses Podest sollten sie auch nicht gestellt werden.


Was also sind Spekulanten?

Spekulanten sind ein legitimer Teil der Weltwirtschaft. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Auswirkungen auf die Weltwirtschaft:

In den Medien las man oft: "Die deutsche Wirtschaft boomt, hohe Exporte trotz Finanzkrise".

Noch dümmeres Zeug habe ich selten gelesen. Die export-orientierte Wirtschaft Deutschlands boomt nicht trotz, sondern gerade wegen der Finanzkrise und dem daraus resultierenden schwächeren Euro. Sie erinnern sich sicherlich noch an das Beispiel mit der Digitalkamera, die Sie in den USA kaufen wollen.

Für die USA ist das allerdings weniger gut, da die US Wirtschaft auf den Binnenmarkt ausgerichtet ist. Man sagt ja so schön, die Amerikaner schaffen sich ihr eigenes Wirtschaftswunder.

Durch höhere Importe wird in den USA aber die Außenhandelsbilanz negativ beeinflusst.

Außerdem haben die USA durch ihre Kreditwirtschaft, die stark konsumorientiert ist im eigenen Land ebenfalls sehr große Probleme.

Die USA haben eine weit größere Verschuldungsrate als die Euro-Zone.

Damit sind wir dann auch schon bei den Chinesen. China ist der größte Gläubiger der USA.

Der Renmimbi (chinesische Währung) ist stark an den US-Dollar gekoppelt.

Da der Euro nun auch gegenüber der chinesischen Währung an Wert verloren hat passiert folgendes:

Wer Waren aus China bezieht um sie hier zu verkaufen muss nun mehr bezahlen und die Waren entsprechend teurer weiter verkaufen. Gleichzeitig kann Deutschland seine Waren in China besser verkaufen, weil der Chinese ja nun weniger Renmimbi je Euro bezahlt.

Dadurch kühlt sich die überhitzte chinesische Wirtschaft etwas ab und die Gefahr einer Spekulationsblase verringert sich in China.

Nachteilig ist allerdings die Nervosität der Märkte, was sich an den Börsen in fallenden Kursen widerspiegelt.

So lag z. bsp. am 18.05.2010 um ca.12.00 Uhr die Put/Call Ratio bei ca. 0,685 was auf leichten Optimismus hindeutet. Am Tag davor lag sie bei ca. 1,83 was auf leichten Pessimismus schließen lässt.

Mittelfristig gehe ich von einer leichten Erholung der Börsen und von einem leicht steigenden Euro (bis ca. 1,25 US-Dollar) aus. In Abhängigkeit davon welche Maßnahmen die US Regierung in diversen handelsstreitigkeiten verhängt.

Es bleibt abzuwarten, wie lange die USA ihr bis jetzt gutes Rating noch behalten. Das hängt nicht nur von deren Konsumverhalten auf Kredit ab, sondern auch davon wie lange China noch bereit ist der größte Gläubiger der USA zu bleiben.

Warum ist das so?

- Griechenland wird seine Schulden durch die Regulierung der Euro-Länder und nicht zuletzt durch die Politik der Negativzinsen seitens der EZB sicherlich weiter bedienen können.

- Zwar wird Griechenland auch in Zukunft nicht in der Lage sein den eingeschlagenen Sparkurs voll umzusetzen, aber sehr wohl einen kleinen Teil davon.

- Die Politiker der Euro-Zone sind fest entschlossen den Euro um fast jeden Preis zu verteidigen. Auch wenn es bereits gegenteilige Spekulationen gibt.

- Die Spekulanten haben es sich drei mal überlegt ob sie noch so kapitalstark sind um auch Portugal, Spanien oder Italien anzugreifen. Auch wenn England durch den Brexit die EU verlässt, so wird es im worst case dennoch an der Seite der EU stehen.

Das Risiko der Spekulanten wäre auch in naher Zukunft viel zu groß weitere Angriffe wie in der Vergangenheit zu starten.

Allerdings ist die Gefahr einer weltweiten Wirtschaftskrise auch nach nunmehr etlichen Jahren nicht gebannt. Als Stichworte sollen hier die Handelsstreitigkeiten der USA mit China, aber auch der EU, das chinesische Projekt "Neue Seidenstraße", der Klimawandel und nicht zuletzt die weltweiten Migrationsbewegungen genannt werden.




* Meine Tätigkeit im Bereich der Buchhaltung beschränkt sich ausschließlich auf Tätigkeiten nach § 6 Nr. 1 StBerG bzw. § 2 Nr. 3 Satz 1 RDG (Datenanalysen und sachkundige Stellungnahmen)
Z. B. zur Beantragung von KfW Fördermitteln oder Krediten der Hausbank.
Sowie Tätigkeiten nach § 6 Nr. 4 StBerG (das Buchen laufender Geschäftsvorfälle sowie das Erstellen laufender Lohnabrechnungen).