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Unternehmensfinanzierung

Ein Fachartikel von Piero Zedda, Dortmund
Thema: Alternative Unternehmensfinanzierung und Unternehmensbeteiligungen als Kapitalanlage

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen!

Rechtlicher Hinweis: Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen stellen lediglich die Meinung des Autors dar. Sie sind keine Empfehlung für den Kauf oder Verkauf bestimmter Kapitalanlagen.

I. Vorwort

Während früher das klassische Mittel der Unternehmensfinanzierung die Kreditaufnahme war hat sich zuletzt durch immer strengere Vorgaben der Banken die Situation für Unternehmer drastisch verschlechtert. Zu nennen sind hier insbesondere die Basel-Richtlinien. Hierdurch sind Banken insgesamt wesentlich zurückhaltender mit der Kreditvergabe geworden.

Doch gerade unternehmerisches Wachstum oder das Überstehen von Krisen ist von einer ausreichenden Kapitalausstattung essentiell.

Ebenso haben viele Startups es schwer eine ausreichende Anschubfinanzierung zu erhalten. Nicht zuletzt, weil diese jungen Unternehmen oft lange Anlaufphasen mit Verlusten zu verkraften haben.

Dabei lassen viele Unternehmer und Existenzgründer die Möglichkeiten alternativer Unternehmensfinanzierung außer acht. Das liegt hauptsächlich an der mangelnden Kenntnis solcher Finanzierungsmodelle.

Gleichzeitig suchen in Zeiten niedriger Zinsen immer mehr Kapitalanleger nach Möglichkeiten ihr Geld gewinnbringend zu investieren.

Genau hier trifft sich die Schnittmenge zwischen Unternehmern mit Kapitalbedarf und Kapitalanlegern auf der Suche nach rentablen Anlageformen.

Unternehmensfinanzierung, Unternehmensbeteiligungen

Wichtig dabei ist insbesondere, dass die Unternehmer mit Kaptalbedarf ihre Pflichten gegenüber Geldgebern sehr genau einhalten.

Schließlich möchte ein Kapitalanleger keinen Totalverlust erleiden und der Unternehmer möchte nicht wegen unlauterer Geschäfte bzw. Kapitalanlagebetrug vor Gericht landen.

Doch kommen wir nun dazu welche Möglichkeiten sich für beide Parteien bieten um zusammen zu kommen.

Jede Form der alternativen Unternehmensfinanzierung bzw. Unternehmensbeteiligung als Kapitalanlage hat ihre Vorteile und Nachteile. Für Unternehmer und Investoren ist es deshalb wichtig sich genauestens zu informieren bevor man sich aneinander bindet.

II. Grundsätzliches zur alternativen Unternehmensfinanzierung

1.) Für Unternehmer

Egale ob Sie als Existenzgründer ein Stratup gründen oder als gestandener Unternehmer Kapitalgeber suchen z. Bsp. um mit Ihrem Unternehmen zu expandieren, ein größeres Projekt vorfinanzieren oder eine kurzfristige Notsituation überbrücken möchten; in allen Fällen gilt: Investoren werden Ihnen keinen Cent für schöne Worte oder gutes Aussehen geben.

Sie müssen Ihre Invstoren durch harte Fakten überzeugen. Das funktioniert am besten über eine Vorhabensbeschreibung, auch Businessplan genannt, die ordentlich und übersichtlich gegliedert ist.

Diese sollte für den Investor folgende Informationen enthalten:

- Vorwort mit einer kurzen, interessanten Einleitung

- Bereits existierende Unternehmen sollten zusätzlich noch etwas zur Historie des Unternehmens schreiben

- Beschreibung des Vorhabens für welches Sie Kapital benötigen

- Ihre Qualifikation als Existenzgründer bzw. Unternehmer

- Die aktuelle Markt- und Wettbewerbssituation

- Die Unternehmensplanung mit Ertragsvorschau und Rentabilitätsvorschau. Bestehende Unternehmen sollten zusätzlich auch die Umsatzzahlen der letzten drei Jahre beifügen.

- Die Rechtsform des Unternehmens

- Die betrieblliche Organisation

- Beschreibung in welcher Form Sie Kapital aufnehmen möchten (ob Darlehen oder Beteiligung) sowie die rechtliche Ausgestaltung des Vertrages

- Die Kapitaldienstfähigkeit, d. h. wie Sie aufgenommene Gelder zurück zahlen wollen bzw. die geplante Höhe von Gewinnausschüttungen

- Fazit bzw. Schlusswort

2.) Für Investoren (Kapitalgeber)

Für alle nachfolgenden Formen der alternativen Kapitalanlagen gilt, dass Sie niemals irgend einem schönen Hochglanzpropekt trauen sollten.

Auch sollten Sie keine voreiligen Entscheidungen treffen!

Um keinen Totalverlust bei Ihrer Kapitalanlage zu riskieren sollten Sie die oben genannte Vorhabensbeschreibung sehr aufmerksam lesen. Erscheint Ihnen diese nicht plausibel oder vertrauenswürdig genug verzichten Sie besser und suchen sich ein anderes Unternehmen in das Sie investieren können.

Schauen Sie sich den Unternehmer genau an. Passt es rein menschlich schon nicht sind künftige Differenzen bereits vorprogrammiert. Hören Sie also als erstes auf Ihr Bauchgefühl. Erst wenn Sie in diesem Punkt positiv entscheiden kommt der nächste Schritt.

Lassen Sie sich bereits vor einem Engagement von Ihrem Steuerberater ausführlich beraten. Zinseinnahmen z. Bsp. unterliegen der Besteuerung. Klären Sie also bereits im Vorfeld Ihre daraus resultierenden Kosten ab. Auch sollten Verträge von einem Juristen abgesegnet werden. Schließlich wollen Sie unterm Strich Gewinn machen und keinen Verlust.

Erst wenn alles im Vorfeld zu Ihrer Zufriedenheit positiv geklärt ist sollten Sie sich zu einer Investition entschließen.

III. Möglichkeiten alternativer Unternehmensfinanzierung bzw. Kapitalanlagen

1.) Crowdfunding

Beim Crowdfunding beteiligen sich viele Investoren finanziell über eine Crowdfunding Plattform mit ihrem Kapital an einem Projekt.

Es gibt gemeinnützige Projekte ohne Gewinnerzielungsmöglichkeit; in der Regel werden so aber Projekte finanziert, die für den Investor Gewinn abwerfen sollen.

Da sich sehr viele Menschen an einem Projekt beteiligen nennt man das auch "Schwarmfinanzierung".

Da Crowdfunding Plattformen inzwischen der Aufsicht der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) unterliegen hat man zumindest vertraglich einige Rechtssicherheit.

Die Crowdfunding Plattformen haben also nach § 32 KWG (Kreditwesengesetz) quasi Bankstatus und benötigen zusätzlich eine Erlaubnis nach § 34 f GewO (Gewerbeordnung).

Das Engagement über eine Crowdfunding Plattform ist juristisch meist ein patriarisches Darlehen oder eine stille Beteiligung, doch dazu später mehr.

Hier haben Sie Verlinkungen zu unterschiedlichen Crowdfunding Plattformen:

Kickstarter | Startnext | Indiegogo | Steady | 99 Funken

2.) Unternehmenskredite von Lieferanten, Kunden oder anderen Personen

Bei der Kapitalaufnahme über einen Lieferantenkredit handelt es sich meist um einen echten Kredit.

Bei der Kapitalaufnahme über Kunden oder andere Personen handelt es sich zumeist um Darlehen.

Im Volksmund werden Kredit und Darlehen meist als das Gleiche angesehen; der Unterschied ist hier juristischer Natur (siehe BGB §§ 488 - 490) Der § 280 regelt die vertragstypischen Pflichten beim Darlehensvertrag. § 489 wiederum regelt das ordentliche Kündigungsrecht und § 490 das außerordentliche Kündigungsrecht.

Da Lieferanten über den Absatz ihrer Waren Gewinn erzielen möchten sind sie in vielen Fällen bereit einem Unternehmer einen Lieferantenkredit zu gewähren.

In der Gastronomie sind bei Existenzgründungen Lieferantenkredite in Form der ersten Warenlieferung durchaus üblich.

Doch auch für einen neu gegründeten oder bestehenden Onlineshop kommt diese Form der Finanzierung durchaus in Frage.

Führt man sein Unternehmen in der Rechtsform einer UG (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt) muss man aufpassen, dass durch die geringe Kapitalausstattung der UG nicht eine Überschuldungssituation entsteht mit evtl. drohender Überschuldung und dadurch im Raum stehender Insolvenzverschleppung.

Das ließe sich durch die vertragliche Ausgestaltung des Lieferantenkredites heilen, indem der Lieferant mit seinen Forderungen hinter alle anderen Forderungen zurück tritt und bei Schwierigkeiten des Kapitaldienstes den Lieferantenkredit großzügig prolongiert.

Bei Darlehen von bestehenden Kunden, aber auch durch andere Personen sollte immer ein ordentlicher Darlehensvertrag geschlossen werden.

Der Unternehmer sollte sich  z. Bsp. bei zinslosen Darlehen (meist über Verwandte) darüber im Klaren sein, dass er evtl. einen geldwerten Vorteil zu versteuern hat. Wird das nicht beachtet kann es spätestens bei einer Prüfung durch das Finanzamt zu einem bösen Erwachen kommen, wenn eine hohe steuerliche Nachbelastung im Raum steht.

Darlehensgeber müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Zinseinnahmen steuerlich gesehen Einkünfte sind und versteuert werden müssen.

2.1) Das patriarische Darlehen

Das patriarische Darlehen ist eine Sonderform des Darlehens. Hierbei erhält der Darlehensgeber neben der Verzinsung seines Kapitals eine prozentuale Beteiligung am Unternehmensgewinn, wobei die Gewinnbeteiligung deutlich im Vordergrund stehen muss.

Inzwischen werden patriarische Darlehen vom Gesetzgeber als Kapitalanlagen eingestuft und unterliegen dem Kapitalanlagegesetz. Allerdings sind die Vertragsparteien frei in der Gestaltung von Darlehensverträgen, sofern der Darlehensgeber dies nicht gewerblich zur Gewinnerzielungsabsicht betreibt.

Das patriarische Darlehen kann in der freien Wirtschaft unter zwei Vertragspartnern also durchaus noch vorkommen. Ebenso wie bereits erwähnt beim Crowdfunding.

Die Ausgestaltung eines patriarischen Darlehens könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen:
- Zunächst wird der Unternehmenswert ermittelt
- Anschließend wird die Höhe des Darlehens ins Verhältnis zum Unternehmenswert gesetzt
- Mit etwa diesem Prozentsatz sollte man am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden

Einfache Beispielberechnung:

Unternehmenswert = 150.000,00 €

Höhe des Darlehens = 25.000,00 €

Das Verhältnis zwischen Darlehen und Unternehmenswert wird nun über den Dreisatz berechnet.

Formel: (25.000 x 100) / 150.000  =  16,67%

Die prozentuale Höhe der Gewinnbeteiligung wäre also ca. 16.67 %. Wäre die Höhe des Zinssatzes des Darlehens nun ca. 4,5 % dann wären die Bedingungen erfüllt.

Für die korrekte Bewertung eines Unternehmens gibt es betriebswirtschaftliche Standards. Hierin fließen etliche Werte aus der Bilanz, aber auch der Ertragswert, Kapitalisierungsfaktor sowie einige andere Faktoren ein.

3.) Aufnahme stiller Beteiligung (stille Teilhaberschaft) bei UG oder GmbH

Bei der stillen Beteiligung tritt der Investor nicht in Erscheinung und wird auch nicht ins Handelsregister eingetragen.

Hierfür gelten die §§ 230 - 236 HGB, sowie 705 ff BGB. Allerdings gilt für die Parteien auch der Grundsatz der Vertragsfreiheit.

Durch diese Konstellation ist es dem Unternehmer möglich sich liquide Mittel quasi anonym zu beschaffen.

Gleiches gilt für den Investor; auch er bleibt nach außen hin anonym.

Allerdings gibt es auch bei dieser Form der Unternehmensfinanzierung bzw. Unternehmensbeteiligung als Kapitalanlage einiges zu beachten.

Der Unternehmer bzw. die juristische Person muss die stille Beteiligung in der Bilanz als Fremdkapital ausweisen.

Problematisch kann das also bei einer UG (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt) sein, da es hierdurch schnell zur Überschuldung und im Raum stehender Insolvenzverschleppung kommen kann. Das ließe sich vermeiden indem der Gesellschafter der UG in gleicher Höhe wie die stille Beteiligung zusätzlich Eigenkapital in die Gesellschaft einbringt und mit seinen Rechten hinter alle anderen Forderungen gegen die UG zurück tritt.

Für eine UG lohnt sich diese Form der Kapitalbeschaffung nur, wenn seitens der oder des Gesellschafter noch ausreichend liquide Mittel vorhanden sind und das Unternehmen dadurch nur wachsen soll z. Bsp. um sich weitere Marktanteile in seiner Branche zu sichern.

Der Investor muss Einkünfte aus der stillen Beteiligung selbstredend beim Finanzamt angeben.

4.) Aufnahme stimmrechtloser Gesellschafter in eine GmbH oder UG

Eine GmbH oder UG können natürlich auch neue Gesellschafter aufnehmen um finanziell zu wachsen.

Will man die Macht bzw. das Mitspracherecht der neuen Gesellschafter beschränken dann sollte man stimmrechtlose Gesellschafter in die Firma aufnehmen.

Zum Ausgleich für das fehlende Stimmrecht kann zusätzlich zur Gewinnausschüttung noch ein Zins vereinbart werden.

Kann dieser Zins dann beispielsweise an zwei aufeinander folgenden Jahren nicht gezahlt werden kann man vertraglich vereinbaren, dass das Stimmrecht dann wieder auflebt. In dieser Form wäre der Gesellschafter ähnlich gestellt wie ein Aktionär bei einer AG, der stimmrechtlose Vorzugsaktien hält.

Da es sich hierbei um Eigenkapital und nicht um Fremdkapital handelt wäre das auch für eine UG attraktiv, da das Problem einer drohenden Überschuldung wie z. Bsp. bei der stillen Beteiligung nicht vorhanden wäre.

5.) Umwandlung in eine kleine AG und Ausgabe stimmrechtloser Vorzugsaktien

Diese Form der Unternehmensfinanzierung bzw. Unternehmensbeteiligung soll hier nur am Rande erwähnt werden, da die Gründung einer Aktiengesellschaft wenn auch nicht unmöglich so doch wesentlich komplexer ist als die Gründung einer UG oder GmbH.

Von einer nicht börsennotierten AG kann man Aktien über Effektenhandelsgesellschaften kaufen.

Darunter können sich selbstverständlich auch Ringeltauben befinden, die irgedwann im Wert enorm steigen oder einen Börsengang erwägen.

Man muss sich aber als Investor auch darüber im Klaren sein, dass Aktien einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft eben nicht über die Börse zu veräußern sind. Sie sind also ein Investment, auf das man im Zweifelsfalle sitzen bleibt, weil sie niemand erwerben will.

6.) Business Angels

Anders als der Name vermuten lässt sind Business Angels keine Engel, sondern gestandene Gschäftsleute mit ausreichend guter Kapitalausstattung, die auf der Suche nach gewinnversprechenden jungen, innovativen Unternehmen sind um sich daran zu beteiligen. Sie sind also knallharte Geschäftsleute.

Business Angels prüfen die Geschäftsidee sehr genau bevor sie sich zu einem Engagement entschließen.

Als junges Starup sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Business Angels sich oft über die vertragliche Ausgestaltung gewisse Einflussmöglichkeiten auf das Unternehmen sichern.

Das ist knallhartes Business und nicht wie im Fernsehen oft dargestellt irgend eine lustige Show.

Business Angels beteiligen sich in der Regel nur an innovativen Startups mit guten Zukunftsaussichten. Z. Bsp. aus der High Tech Branche (Gentechnik etc.) oder Informationstechnologie.

Für die meisten Gründer kommt diese Form der Kapitalbeschaffung nicht in Frage, da meist nur eine Gründung in "normalen" Branchen vollzogen wird.

Allerdings gibt es auch grenzwertige Unternehmensgründungen die für die Zukunft sehr vielversprechend sein können aber eben nicht so, dass sich Business Angels daran beteiligen.

Dafür wäre zur Kapitalbeschaffung dann wieder eine Crowdfunding Plattform gut.

IV. Fazit

So wie nicht jede Form der Kapitalaufnahme für jeden Unternehmer in Frage kommt so kommt auch für den Geldgeber nicht jede Form der Investition in Frage.

Ebenso gibt es für Unternehmer natürlich auch noch weitere Möglichkeiten des Wachstums, wie z. Bsp. ein Franchise Konzept. Dies würde den Rahmen der Ausarbeitung aber sprengen.

Eine ausführliche Beratung durch einen auf Unternehmensbeteiligungen spezialisierten Rechtsanwalt und die vorherige Konsulattion eines Steuerberaters sollte von beiden Seiten in jedem Falle erwogen werden.